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Vorgehen Bachelorarbeit: Konkrete Arbeitsschritte von der Recherche bis zur Abgabe

Das richtige methodologische Konzept zu haben ist eine Sache. Eine andere ist zu wissen, wie man bei den einzelnen Arbeitsschritten der Bachelorarbeit konkret vorgeht: Wie liest man Literatur effizient? Wie baut man daraus einen Theorieteil auf? Wie entwickelt man eine Gliederung, die funktioniert? Wie geht man bei der empirischen Auswertung vor? Wie überarbeitet man eine Rohfassung systematisch?

Diese operativen Fragen betreffen das handwerkliche Vorgehen bei der Bachelorarbeit, also die konkreten Techniken und Verfahren, die bei der Durchführung der einzelnen Arbeitsschritte eingesetzt werden. Sie sind von den methodologischen Grundentscheidungen zu unterscheiden, die beschreiben, warum man so vorgeht. Dieser Ratgeber beschreibt das operative Vorgehen: was man wann tut und wie man es macht.

Vorgehen 1: Systematische Literaturrecherche

Eine systematische Literaturrecherche für die Bachelorarbeit erfolgt nicht in einem einzigen Schritt, sondern in mehreren aufeinander aufbauenden Phasen. Die erste Phase ist die orientierende Suche: Mit breiten, thematischen Suchbegriffen sucht man in Google Scholar nach ersten relevanten Quellen. Ziel ist nicht die vollständige Abdeckung, sondern die Identifikation von zehn bis zwanzig Schlüsselquellen, die zentral für das Themengebiet zu sein scheinen.

Die zweite Phase ist das Snowballing: Man liest die Literaturverzeichnisse der gefundenen Schlüsselquellen und identifiziert die Werke, die dort wiederholt zitiert werden. Diese wiederholt zitierten Werke sind häufig die grundlegenden, kanonischen Texte des Themengebiets, die in einer Bachelorarbeit zu demselben Thema nicht fehlen sollten. Das Snowballing findet man diese Texte, ohne sie direkt gesucht zu haben.

Die dritte Phase ist die präzise Datenbanksuche: Auf der Grundlage der in den ersten beiden Phasen gewonnenen Sprachkenntnis des Themengebiets sucht man mit präziseren Suchbegriffen in fachspezifischen Datenbanken. Für jedes Fach gibt es relevante Datenbanken, und eine Hochschulbibliothek kann dabei helfen, die richtigen zu identifizieren. Die vierte Phase ist ein abschließender Aktualitätscheck: Kurz vor dem Abschluss der Schreibphase prüft man, ob in den letzten zwei Jahren relevante neue Studien erschienen sind, die die eigene Argumentation ergänzen oder herausfordern.

Vorgehen 2: Wissenschaftliche Texte effizient lesen

Wissenschaftliche Texte effizient zu lesen bedeutet nicht, sie schnell zu lesen, sondern strategisch: Man liest nicht jede Quelle von der ersten bis zur letzten Seite, sondern man liest mit einer klaren Frage im Kopf und extrahiert gezielt die relevanten Informationen. Diese Lesestrategie ist für die Bachelorarbeit besonders wichtig, weil die Menge der relevanten Literatur in der Regel größer ist als die verfügbare Lesezeit.

Ein bewährtes Leseverfahren für wissenschaftliche Artikel beginnt mit dem Abstract: Ist dieser Artikel überhaupt relevant für die eigene Forschungsfrage? Wenn ja, liest man Einleitung und Fazit, um die Kernthese und die wichtigsten Ergebnisse zu erfassen. Erst dann liest man das Dokument vollständig, wenn es sich als tatsächlich relevant erwiesen hat. Dieses selektive Vorgehen spart erheblich Zeit und konzentriert die volle Leseaufmerksamkeit auf die Texte, die wirklich wichtig sind.

Beim vollständigen Lesen eines relevanten Textes ist das aktive Lesen mit Markierungen und Randnotizen produktiver als das passive Konsumieren. Man markiert Kernaussagen, notiert Fragen und Einwände am Rand und hält fest, an welcher Stelle im eigenen Argument dieser Text später relevant sein könnte. Diese Notizen reduzieren die Notwendigkeit, den Text später erneut lesen zu müssen.

Vorgehen 3: Exzerpieren – Vom Lesen zum verwertbaren Material

Das Exzerpt ist das Bindeglied zwischen dem Lesen und dem Schreiben. Es fasst den relevanten Inhalt einer Quelle so zusammen, dass er ohne erneutes Lesen der Originalquelle beim Schreiben des Theorieteils direkt verwendbar ist. Ein gutes Exzerpt enthält die vollständige Quellenangabe, die Kernaussage der Quelle in eigenen Worten, direkte Zitate, die möglicherweise wörtlich verwendet werden sollen, mit Seitenangabe, und eine kurze Einschätzung, an welcher Stelle im eigenen Argument diese Quelle relevant ist.

Die Länge eines Exzerptes hängt von der Relevanz der Quelle ab: Ein zentrales Schlüsselwerk verdient ein ausführlicheres Exzerpt als eine Quelle, die nur für einen einzelnen Punkt relevant ist. Eine wichtige Praxis beim Exzerpieren ist die sorgfältige Trennung zwischen dem Wortlaut der Quelle und eigenen Formulierungen: Wenn man aus dem Originaltext zitiert, verwendet man Anführungszeichen und notiert die Seitenangabe. Was man in eigenen Worten zusammenfasst, wird ohne Anführungszeichen geschrieben. Diese Trennung verhindert, dass beim späteren Schreiben versehentlich Formulierungen aus der Quelle übernommen werden, ohne sie als Zitate zu kennzeichnen.

Literaturverwaltungsprogramme wie Zotero oder Citavi haben Funktionen für Notizen und Exzerpte, die direkt mit der gespeicherten Quelle verknüpft sind. Wer diese Funktionen konsequent nutzt, hat am Ende des Leseprozesses ein strukturiertes Material, aus dem der Theorieteil fast direkt entwickelt werden kann.

Vorgehen 4: Den Forschungsstand strukturieren

Nach einer umfangreicheren Literaturrecherche hat man häufig eine größere Menge an Quellen, aber noch keine klare Vorstellung davon, wie sie zusammenhängen. Das Strukturieren des Forschungsstands ist ein eigenständiger Arbeitsschritt, der zwischen der Recherche und dem Schreiben liegt und der den Überblick schafft, der für einen kohärenten Theorieteil notwendig ist.

Ein konkretes Werkzeug für diesen Schritt ist die thematische Clusterbildung: Man ordnet die gesammelten Quellen nach inhaltlichen Schwerpunkten und identifiziert, welche Quellen ähnliche Positionen vertreten, welche sich widersprechen und welche verschiedene Aspekte desselben Phänomens beleuchten. Diese thematischen Cluster bilden die Grundlage für die Abschnittsstruktur des Theorieteils.

Eine Zeitleiste der Forschung ist ein weiteres nützliches Werkzeug: Man ordnet die Quellen chronologisch und sieht, wie sich die wissenschaftliche Diskussion zu einem Thema über die Zeit entwickelt hat. Welche Theorie war zuerst da? Wer hat darauf aufgebaut? Wer hat widersprochen? Welche Position ist heute die dominante? Diese historische Perspektive hilft dabei, die eigene Arbeit in der Entwicklung des Forschungsstands zu verorten.

Vorgehen 5: Die Gliederung entwickeln

Die Gliederung ist das strukturelle Fundament der Bachelorarbeit und sollte nicht spontan entstehen, sondern durch einen systematischen Entwicklungsprozess. Dieser Prozess beginnt bei der Forschungsfrage: Was muss beantwortet werden, und welche Teilschritte sind notwendig, um zu dieser Antwort zu gelangen?

Man schreibt zunächst für jeden notwendigen Teilschritt einen Satz: Was muss dieses Kapitel leisten, damit die Forschungsfrage beantwortet werden kann? Diese Sätze werden zu Kapitelüberschriften verdichtet und in eine logische Reihenfolge gebracht. Eine logische Reihenfolge bedeutet, dass jedes Kapitel auf dem aufbaut, was die vorangegangenen Kapitel etabliert haben, und die Grundlage legt für das, was folgt. Ein Theorieteil, der die für das methodische Vorgehen notwendigen Konzepte entwickelt, muss vor der Methodik stehen. Eine Ergebnisdiskussion, die Befunde auf den Theorieteil bezieht, muss nach dem Theorieteil stehen.

Nach der ersten Entwurfsversion der Gliederung prüft man drei Kriterien: Vollständigkeit (fehlt ein Schritt, der für die Beantwortung der Forschungsfrage notwendig wäre?), Redundanzfreiheit (gibt es Überschneidungen zwischen Kapiteln, die durch Zusammenlegung oder Umstrukturierung behoben werden sollten?) und argumentative Kohärenz (ergibt die Abfolge der Kapitel eine logische argumentative Linie?). Diese Prüfung wird am besten durch eine andere Person durchgeführt oder nach einem Tag Abstand durch einen selbst.

Vorgehen 6: Die Gliederung abstimmen und testen

Eine Gliederung, die mit dem Betreuer abgestimmt wurde, gibt dem Schreibprozess eine validierte Grundlage. Das Betreuer-Gespräch zur Gliederung ist eines der produktivsten Betreuungsgespräche im gesamten Prozess, weil es grundlegende strukturelle Probleme identifiziert, bevor viel Schreibarbeit in eine möglicherweise falsche Richtung investiert wurde.

Für das Gliederungsgespräch bereitet man die Gliederung schriftlich vor und beschreibt für jeden Abschnitt in einem Satz, was er leisten soll. Diese einzeiligen Funktionsbeschreibungen helfen dem Betreuer zu verstehen, warum die Gliederung so aufgebaut ist, und ermöglichen gezieltes Feedback zu strukturellen Entscheidungen. Wenn der Betreuer fragt, warum Kapitel X vor Kapitel Y steht, kann man die Begründung sofort aus der Funktionsbeschreibung ableiten.

Ein ergänzender Test für die eigene Gliederung ist der sogenannte „Nur-Überschriften-Test“: Man liest nur die Kapitel- und Abschnittsüberschriften in der Reihenfolge ihrer Nummerierung und prüft, ob sie eine zusammenhängende Argumentationslinie ergeben, die die Forschungsfrage explizit vorbereitet und beantwortet. Wenn die Überschriften bereits eine kohärente Geschichte erzählen, ist die Gliederung tragfähig.

Vorgehen 7: Den Theorieteil aufbauen

Der Theorieteil wird nicht als lineare Literaturzusammenfassung geschrieben, sondern als selektive, auf die Forschungsfrage ausgerichtete Grundlegung. Das Aufbauprinzip ist die Frage: Was muss der Lesende über dieses Konzept oder diese Theorie wissen, um die Forschungsfrage und die Antwort darauf verstehen zu können?

Das konkrete Vorgehen beim Aufbau des Theorieteils beginnt mit der Abschnittsstruktur, die aus der Gliederungsentwicklung stammt. Für jeden Abschnitt des Theorieteils nimmt man das relevante Exzerptmaterial und beginnt mit der Kernaussage des Abschnitts: Was ist die zentrale Behauptung dieses Abschnitts, und warum ist sie für die Forschungsfrage relevant? Diese Kernaussage formuliert man in einem ersten Satz in eigenen Worten. Dann folgen die Belege aus der Literatur, als Paraphrasen mit Quellenangaben oder als kurze direkte Zitate mit Anführungszeichen und Quellenangabe. Schließlich folgt der eigene analytische Kommentar: Was bedeutet das für die eigene Forschungsfrage?

Diese Dreierstruktur, also Kernaussage, Belege, eigener Kommentar, ist für jeden Absatz des Theorieteils anwendbar und stellt sicher, dass der Text nicht zu einer reinen Literaturzusammenfassung wird. Der eigene Kommentar ist der Anteil des Textes, der zeigt, dass man die Literatur nicht nur referiert, sondern analytisch verarbeitet.

Vorgehen 8: Das Erhebungsinstrument entwickeln

Bei empirischen Bachelorarbeiten ist die Entwicklung des Erhebungsinstruments ein kritischer Schritt, der direkten Einfluss auf die Qualität der erhobenen Daten hat. Für quantitative Arbeiten ist das Erhebungsinstrument in der Regel ein standardisierter Fragebogen. Für qualitative Arbeiten ist es häufig ein Interviewleitfaden.

Das konkrete Vorgehen bei der Fragebogenentwicklung beginnt mit der Operationalisierung: Für jeden theoretischen Begriff oder jede Variable, die gemessen werden soll, überlegt man, durch welche messbaren Items sie erfasst werden kann. Jedes Item wird so formuliert, dass es von den Befragten eindeutig verstanden werden kann, keine Doppelfragen enthält und in der Antwortskala angemessen ist. Ein Pretest mit fünf bis zehn Personen aus der Zielgruppe prüft, ob die Items verständlich sind und ob die Rücklaufquote realistisch ist.

Das konkrete Vorgehen bei der Leitfadenentwicklung beginnt mit den Forschungsfragen, die durch die Interviews beantwortet werden sollen. Für jede Forschungsfrage entwickelt man zwei bis drei offene Interviewfragen, die die Forschungsfrage umkreisen, ohne sie direkt zu stellen. Der Leitfaden enthält außerdem eine Einstiegsfrage, die das Gespräch öffnet, und mögliche Nachfragen für Themen, die vertieft werden sollen. Ein Pretest-Interview mit einer Person aus der Zielgruppe zeigt, ob der Leitfaden funktioniert und ob die geplante Interviewdauer realistisch ist.

Vorgehen 9: Die Datenerhebung durchführen

Die Datenerhebung ist eine operative Phase, die sorgfältige Vorbereitung und konsequente Dokumentation erfordert. Für quantitative Erhebungen: Den Link zur Online-Umfrage oder die Papierfragebögen vorbereiten, den Verbreitungskanal festlegen, ein Tracking der Rücklaufquote einrichten und einen Plan für Erinnerungsrunden nach zwei Wochen entwickeln. Für qualitative Erhebungen: Interviewpartner rekrutieren und terminieren, einen ruhigen Aufnahmeort sicherstellen, das Aufnahmegerät testen, eine Einwilligungserklärung für die Aufnahme vorbereiten und nach jedem Interview ein kurzes Memo schreiben, das den Gesprächsverlauf und erste Eindrücke festhält.

Die Dokumentation der Erhebung ist methodisch wichtig, weil sie im Methodikteil der Arbeit transparent gemacht werden muss. Wie viele Personen wurden angefragt? Wie viele haben teilgenommen? Über welchen Zeitraum fand die Erhebung statt? Gab es besondere Umstände, die die Erhebung beeinflusst haben könnten? Diese Informationen werden im Methodikteil berichtet und ermöglichen die Bewertung der Güte der Stichprobe.

Vorgehen 10: Qualitative Auswertung

Das konkrete Vorgehen bei der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, der in Bachelorarbeiten häufigsten qualitativen Auswertungsmethode, folgt mehreren definierten Schritten. Zunächst werden die Transkripte vollständig gelesen, ohne bereits zu kategorisieren, um einen Gesamteindruck zu gewinnen. Dann wird das Kategoriensystem entwickelt: Bei der deduktiven Variante werden Kategorien aus dem theoretischen Rahmen abgeleitet und dann im Material gesucht. Bei der induktiven Variante entstehen Kategorien direkt aus dem Material durch schrittweise Abstraktion.

Das Kodieren erfolgt dann in mehreren Durchgängen: Im ersten Durchgang werden Textstellen identifiziert, die einer Kategorie zugeordnet werden können. Im zweiten Durchgang werden die Zuordnungen überprüft und gegebenenfalls verfeinert. Bei Schreibarbeiten zu zweit oder zu dritt kann die Intercoder-Reliabilität berechnet werden, um die Objektivität der Kategorisierung zu sichern. Am Ende liegt ein Kategoriensystem vor, dem konkrete Textstellen aus den Transkripten zugeordnet sind, und das die Grundlage für die Ergebnisdarstellung bildet.

Die Ergebnisdarstellung bei qualitativen Auswertungen beschreibt die identifizierten Kategorien und illustriert sie durch charakteristische Textstellen aus den Interviews. Diese Textstellen werden als direkte Zitate in den Text integriert und geben den Ergebnissen konkrete empirische Substanz.

Vorgehen 11: Quantitative Auswertung

Das konkrete Vorgehen bei der quantitativen Auswertung beginnt mit der Dateneingabe oder Datenbereinigung: Wenn die Daten manuell eingegeben wurden, prüft man sie auf Eingabefehler. Wenn eine Online-Umfrage die Daten direkt als Datensatz exportiert hat, prüft man auf fehlende Werte und Ausreißer, die auf Eingabefehler oder unernsthafte Antworten hinweisen könnten.

Dann folgt die deskriptive Analyse: Für jede Variable werden Häufigkeiten, Mittelwerte, Standardabweichungen und Verteilungen berechnet. Diese deskriptiven Statistiken geben einen ersten Überblick über die Stichprobe und die erhobenen Daten. Die inferenzstatistischen Analysen folgen im nächsten Schritt: Abhängig von der Forschungsfrage und dem Messniveau der Variablen werden Korrelationsanalysen, Gruppenvergleiche oder Regressionsmodelle berechnet. Vor der Durchführung jeder Analyse prüft man die statistischen Voraussetzungen des gewählten Verfahrens.

Die Ergebnisdarstellung berichtet die statistischen Kennzahlen in standardisierter Form: Mittelwerte mit Standardabweichungen, Korrelationskoeffizienten mit p-Werten und Konfidenzintervallen, Regressionskoeffizienten mit Standardfehlern. Die Formatierung folgt dem vorgeschriebenen Zitierstil, der häufig auch Vorgaben für die Berichterstattung statistischer Ergebnisse enthält.

Vorgehen 12: Die Schreibreihenfolge wählen

Das Vorgehen beim Schreiben selbst ist nicht linear. Das Dokument beginnt mit der Einleitung und endet mit dem Fazit, aber das Schreiben sollte nicht in dieser Reihenfolge erfolgen. Die Einleitung beschreibt, was die Arbeit tut, und das weiß man erst, wenn die Arbeit fertig ist. Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage, und die Antwort ist erst klar, wenn alle Ergebnisse vorliegen. Beide Kapitel werden deshalb zuletzt geschrieben.

Das Schreiben beginnt mit dem Kapitel, das am klarsten ist und für das das meiste Material vorliegt. Das ist häufig der Theorieteil, weil die Literaturrecherche dafür bereits abgeschlossen ist. Dann folgen die Methodik und die Ergebnisdarstellung. Die Diskussion kann geschrieben werden, sobald Ergebnisse und Theorieteil vorliegen, weil sie beide Teile miteinander in Beziehung setzt. Zuletzt werden Einleitung und Fazit geschrieben, die auf der Grundlage der fertiggestellten Arbeit formuliert werden.

Innerhalb jedes Kapitels gilt dasselbe Prinzip: Man beginnt mit dem klarsten Abschnitt und schreibt nicht zwingend in der Reihenfolge, in der die Abschnitte im Text erscheinen werden. Die Reihenfolge des Schreibens und die Reihenfolge im fertigen Text können verschieden sein.

Vorgehen 13: Die Diskussion aufbauen

Die Diskussion ist argumentativ der anspruchsvollste Teil der Bachelorarbeit, weil sie die eigenen Befunde interpretiert und in den Forschungsstand einordnet. Das konkrete Vorgehen beim Aufbau der Diskussion folgt einer klaren Struktur.

Im ersten Schritt stellt man die eigenen Ergebnisse in Beziehung zu den im Theorieteil entwickelten theoretischen Erwartungen: Welche Ergebnisse waren zu erwarten, und welche waren überraschend? Im zweiten Schritt vergleicht man die eigenen Befunde mit dem in der Literatur beschriebenen Forschungsstand: Stimmen die eigenen Ergebnisse mit bestehenden Studien überein, widersprechen sie ihnen, oder ergänzen sie sie? Im dritten Schritt entwickelt man mögliche Erklärungen für unerwartete Befunde: Was könnte die Diskrepanz zwischen Erwartung und Befund erklären? Im vierten Schritt reflektiert man die Limitationen der eigenen Studie: Welche methodischen Einschränkungen gibt es, und welche Einflüsse auf die Ergebnisse können nicht ausgeschlossen werden?

Die Diskussion endet mit einem Ausblick auf weiterführende Forschungsfragen: Was könnte oder sollte in zukünftigen Studien untersucht werden? Dieser Ausblick sollte spezifisch und auf die eigene Arbeit bezogen sein, kein allgemeines Plädoyer für mehr Forschung zu einem breiten Thema.

Vorgehen 14: Einleitung und Fazit zuletzt

Einleitung und Fazit werden zuletzt geschrieben, weil sie auf der Grundlage der fertiggestellten Arbeit formuliert werden. Das Vorgehen beim Schreiben der Einleitung folgt einer klaren Struktur: Hinführung zum Thema, Darlegung des Forschungsstands und der Forschungslücke, explizite Formulierung der Forschungsfrage, methodischer Überblick und Beschreibung des Aufbaus der Arbeit. Diese Elemente werden in dieser Reihenfolge in einem Fließtext ausgearbeitet, der in etwa zehn Prozent des Textteils umfasst.

Das Vorgehen beim Schreiben des Fazits: komprimierte Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse, explizite Beantwortung der Forschungsfrage, Einordnung der Ergebnisse in den Forschungsstand, Reflexion der Limitationen und Ausblick auf weiterführende Forschung. Das Fazit führt keine neuen Informationen ein; es schließt die Arbeit argumentativ ab.

Ein konkreter Test für das fertiggestellte Fazit: Wenn man Einleitung und Fazit hintereinander liest, muss erkennbar sein, dass die Frage, die in der Einleitung gestellt wurde, im Fazit explizit beantwortet wird. Wenn diese Verbindung nicht klar ist, muss entweder die Forschungsfrage in der Einleitung präzisiert oder die Beantwortung im Fazit klarer formuliert werden.

Vorgehen 15: Überarbeitung in drei Durchgängen

Die Überarbeitung erfolgt in drei voneinander getrennten Durchgängen, die verschiedene Qualitätsdimensionen des Textes adressieren. Der erste Durchgang gilt der Struktur: Man liest den Text mit der Frage, ob jedes Kapitel zur Forschungsfrage beiträgt, ob die Übergänge zwischen Kapiteln kohärent sind, ob Redundanzen bestehen, die gestrichen werden sollten, und ob inhaltliche Lücken vorhanden sind. Dieser Durchgang kann zu größeren Umstrukturierungen führen, die vor den anderen Durchgängen vorgenommen werden müssen.

Der zweite Durchgang gilt dem Inhalt: Man liest jeden Absatz mit der Frage, ob das Argument vollständig und korrekt ist, ob Quellenangaben vorhanden sind, ob Ergebnisse und Interpretation klar getrennt sind und ob Schlussfolgerungen aus dem begründet werden, was tatsächlich gezeigt wurde. Der dritte Durchgang gilt der Sprache: Man liest jeden Satz mit der Frage, ob er klar und präzise formuliert ist, ob Nominalstil zurückgedrängt werden kann, ob Übergänge zwischen Absätzen sichtbar sind und ob der Text dem akademischen Register entspricht.

Zwischen der letzten Schreibsitzung und dem ersten Überarbeitungsdurchgang sollten mindestens zwei bis drei Tage liegen, damit der Text mit ausreichend Abstand gelesen werden kann. Wer direkt nach dem Schreiben überarbeitet, liest den Text durch die eigene Intention und übersieht Formulierungsschwächen, die einem fremden Lesenden sofort auffallen würden.

Vorgehen 16: Abschlusskontrolle vor der Abgabe

Die Abschlusskontrolle vor der Abgabe ist ein eigenständiger, systematischer Schritt, der alle formalen Aspekte der Arbeit prüft. Sie sollte nicht am Abgabetag stattfinden, sondern mindestens zwei Tage vorher, damit noch Zeit für eventuelle Korrekturen bleibt.

Die Abschlusskontrolle umfasst: den Abgleich zwischen Inhaltsverzeichnis und tatsächlichen Kapiteln und Abschnitten (stimmen Seitenzahlen und Überschriften überein?), die Vollständigkeitsprüfung des Literaturverzeichnisses (ist jede im Text zitierte Quelle enthalten? Ist jede Quelle im Literaturverzeichnis auch tatsächlich im Text zitiert?), die Prüfung der Eigenständigkeitserklärung (ist sie vorhanden, korrekt datiert und unterschrieben?), die Überprüfung der Formatierungsvorgaben (stimmt die Schriftgröße, der Zeilenabstand, der Seitenrand?), die Kontrolle des Deckblatts (sind alle pflichtigen Angaben vorhanden?) und die Prüfung der Abgabemodalitäten (wird die Arbeit digital, in Papierform oder beides abgegeben? Wie viele Exemplare?).

Wer diese Kontrolle als expliziten Schritt mit einer Checkliste durchführt, findet formale Fehler, die beim kontinuierlichen Schreiben und Überarbeiten übersehen wurden, und hat die Gewissheit, dass alle Anforderungen erfüllt sind, bevor die Arbeit aus der Hand gegeben wird.

Unterstützung beim konkreten Vorgehen

Wer beim konkreten Vorgehen Unterstützung benötigt, findet bei efactory1.de ein Angebot, das alle Phasen des beschriebenen Prozesses begleiten kann. Methodisches Coaching für die Entwicklung des Forschungsdesigns und des Erhebungsinstruments. Statistische Auswertungsunterstützung mit SPSS, R und Stata für die quantitative Auswertungsphase. Professionelles Lektorat nach Abschluss der Überarbeitungsphase. Musterarbeiten, die zeigen, wie das konkrete Vorgehen in einer vollständig ausgearbeiteten Bachelorarbeit aussieht.

Als Bery Ventures GmbH mit Sitz in Köln, Pilgrimstraße 6, bietet efactory1.de ein persönlich erreichbares Büro, Teilzahlungsmodell und Geld-zurück-Garantie. Eine unverbindliche Anfrage ist kostenlos. Jetzt anfragen.

Häufig gestellte Fragen

Wie geht man bei der Bachelorarbeit konkret vor?

In einer systematischen Abfolge: orientierende Literaturrecherche, Betreuersuche, systematische Recherche, Gliederungsentwicklung, Datenerhebung, Schreibphase vom klarsten Kapitel ausgehend, Auswertung, Diskussion, Einleitung und Fazit zuletzt, Überarbeitung in drei Durchgängen, Lektorat und Abschlusskontrolle.

Wie geht man bei der Literaturrecherche vor?

In vier Phasen: orientierende Suche mit breiten Begriffen, Snowballing durch Literaturverzeichnisse, präzise Datenbanksuche in fachspezifischen Datenbanken, abschließender Aktualitätscheck. Für jede relevante Quelle sofort ein Exzerpt anlegen.

Wie entwickelt man eine Gliederung?

Von der Forschungsfrage aus: Welche Teilschritte sind notwendig, um die Forschungsfrage zu beantworten? Diese Teilschritte werden in eine logische Reihenfolge gebracht, zu Kapitelüberschriften verdichtet und auf Vollständigkeit, Redundanzfreiheit und argumentative Kohärenz geprüft.

Wie geht man beim Aufbau des Theorieteils vor?

Selektiv und auf die Forschungsfrage ausgerichtet: Was muss der Lesende wissen, um die Forschungsfrage zu verstehen? Für jeden Absatz: Kernaussage in eigenen Worten, Belege aus der Literatur, eigener analytischer Kommentar. Kein Referat, sondern selektive Grundlegung.

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