Am Ende jeder wissenschaftlichen Einleitung steht in deutschen Bachelorarbeiten und Masterarbeiten ein Abschnitt, der beschreibt, wie die Arbeit aufgebaut ist. Dieser Abschnitt hat verschiedene Namen: „Aufbau der Arbeit“, „Gang der Untersuchung“, „Vorgehensweise und Aufbau“ oder schlicht „Überblick“. Was er leisten soll, ist klar: Er gibt dem Lesenden eine Vorstellung davon, was ihn erwartet, bevor er die eigentlichen Kapitel liest. Was er in der Praxis häufig nicht leistet, ist ebenfalls klar: Er listet Kapitel auf, ohne zu erklären, warum sie in dieser Reihenfolge stehen und wie sie zur Beantwortung der Forschungsfrage beitragen.
Dieser Ratgeber beschreibt, was der Aufbau-der-Arbeit-Abschnitt leisten soll, wie er korrekt und überzeugend formuliert wird, welche Länge angemessen ist, wann man ihn schreibt und welche Fehler häufig sind. Es ist ein Artikel über ein einzelnes, klar abgegrenztes Element der wissenschaftlichen Einleitung, das häufig unterschätzt wird, aber einen erheblichen Einfluss auf den ersten Eindruck der Arbeit hat.
Die Funktion des Aufbauabschnitts
Der Aufbauabschnitt, also der Teil der Einleitung, der den Aufbau der Arbeit beschreibt, hat primär eine Navigationsfunktion: Er gibt dem Lesenden eine mentale Karte der Arbeit, bevor die Kapitel beginnen. Wer weiß, was ihn in Kapitel zwei, drei und vier erwartet, kann die Lektüre des jeweiligen Kapitels mit der richtigen Erwartungshaltung beginnen, Verbindungen zwischen Kapiteln antizipieren und die Gesamtargumentation leichter nachvollziehen.
Über die Navigationsfunktion hinaus hat der Aufbauabschnitt eine argumentative Funktion: Er zeigt, ob die Kapitelabfolge einer logischen Linie folgt oder beliebig ist. Eine gut formulierte Aufbaubeschreibung macht erkennbar, wie jedes Kapitel auf dem vorherigen aufbaut und zur Beantwortung der Forschungsfrage beiträgt. Eine schlecht formulierte Aufbaubeschreibung, die nur auflistet welche Kapitel existieren ohne zu erklären warum und wie, zeigt dem Gutachter, dass der Schreibende die Argumentationslogik der eigenen Arbeit nicht vollständig durchdacht hat.
Der Aufbauabschnitt hat außerdem eine Vertrauensfunktion: Er verspricht dem Lesenden eine bestimmte Struktur. Wenn die tatsächliche Arbeit dieses Versprechen erfüllt, also wenn die Kapitel tatsächlich das leisten, was der Aufbauabschnitt ankündigt, stärkt das das Vertrauen des Lesenden in die Arbeit. Wenn die tatsächliche Arbeit das Versprechen nicht erfüllt, entsteht eine unangenehme kognitive Dissonanz.
Wo der Aufbauabschnitt in der Einleitung steht
Der Aufbauabschnitt steht am Ende der Einleitung, nach der Forschungsfrage und dem methodischen Überblick und vor dem Beginn des Theorieteils. Diese Position ist nicht zufällig: Der Aufbauabschnitt setzt voraus, dass der Lesende die Forschungsfrage bereits kennt, weil er nur dann verstehen kann, warum die Kapitel in dieser Reihenfolge stehen. Ein Aufbauabschnitt vor der Forschungsfrage wäre kontextlos.
In manchen Hochschulen und Fächern erscheint der Aufbauabschnitt als eigenes Unterkapitel der Einleitung mit einer eigenen Überschrift, zum Beispiel „1.4 Aufbau der Arbeit“ oder „1.3 Gang der Untersuchung“. In anderen erscheint er als abschließender Absatz der Einleitung ohne eigene Überschrift. Beide Varianten sind legitim; welche in der eigenen Hochschule und im eigenen Fach üblich ist, lässt man sich vom Betreuer oder durch Lektüre älterer Bachelorarbeiten zeigen.
Was der Aufbauabschnitt enthalten soll
Der Aufbauabschnitt soll drei Dinge leisten: Er benennt alle Hauptkapitel der Arbeit. Er beschreibt in einem Satz, was jedes Kapitel leistet. Und er macht die argumentative Verbindung zwischen den Kapiteln erkennbar, also zeigt, wie jedes Kapitel auf dem vorherigen aufbaut und das nächste vorbereitet.
Was der Aufbauabschnitt nicht tun sollte, ist die Unterkapitel jedes Hauptkapitels einzeln aufzuführen: Das würde den Aufbauabschnitt zu einem zweiten Inhaltsverzeichnis in Prosaform machen, das keine neue Information liefert. Wer das Inhaltsverzeichnis bereits gelesen hat, weiß, welche Unterkapitel vorhanden sind; der Aufbauabschnitt erklärt, warum diese Kapitel in dieser Reihenfolge stehen, nicht was sie im Detail enthalten.
Was der Aufbauabschnitt enthalten kann, wenn es relevant ist: einen Satz zum Gesamtcharakter der Arbeit (empirisch oder theoretisch, qualitativ oder quantitativ) und einen Satz zur zeitlichen oder thematischen Einschränkung des Untersuchungsgegenstands. Diese Informationen geben dem Lesenden eine zusätzliche Orientierung über die Art der Arbeit, die aus dem Aufbau allein nicht erkennbar ist.
Was der Aufbauabschnitt nicht enthalten soll
Was der Aufbauabschnitt nicht enthalten sollte, ist eine Begründung der Forschungsfrage, eine Zusammenfassung der Ergebnisse oder eine Bewertung der Kapitel. Die Begründung der Forschungsfrage gehört in den vorangegangenen Teil der Einleitung; eine Zusammenfassung der Ergebnisse gehört in das Abstract oder das Fazit; und eine Bewertung der Kapitel würde die Neutralität der Strukturbeschreibung brechen.
Außerdem sollte der Aufbauabschnitt keine Selbstverständlichkeiten formulieren, also keine Aussagen, die aus dem Inhaltsverzeichnis bereits erkennbar sind, ohne einen argumentativen Mehrwert zu liefern. „In Kapitel vier werden die Ergebnisse dargestellt“ sagt nichts, was das Inhaltsverzeichnis mit der Überschrift „4. Ergebnisse“ nicht bereits sagen würde. Was dagegen einen Mehrwert liefert: „In Kapitel vier werden die Ergebnisse der qualitativen Interviewstudie zu drei thematischen Hauptkategorien gegliedert dargestellt, bevor Kapitel fünf diese Kategorien in Beziehung zum theoretischen Rahmen setzt.“ Dieser Satz sagt etwas, das aus dem Inhaltsverzeichnis allein nicht hervorgeht.
Wie lang der Aufbauabschnitt sein sollte
In einer Bachelorarbeit mit sechs bis sieben Hauptkapiteln ist ein Aufbauabschnitt von vier bis acht Sätzen angemessen. Das entspricht in der Regel einem Absatz von drei bis fünf Zeilen in 12-Punkt-Schrift mit 1,5-fachem Zeilenabstand. Dieser Umfang reicht aus, um alle Hauptkapitel zu benennen und ihre argumentative Verbindung zu beschreiben, ohne in eine Detailtiefe zu gehen, die dem Abschnitt unangemessen wäre.
Was zu kurz ist: Ein einziger Satz wie „Die Arbeit ist in sechs Kapitel gegliedert.“ gibt dem Lesenden keine Orientierung und zeigt keine Durchdachtheit. Was zu lang ist: Ein halbe bis ganze Seite mit detaillierten Beschreibungen jedes Unterkapitels ist ein zweites Inhaltsverzeichnis, kein Aufbauabschnitt. In einer Masterarbeit oder Dissertation kann der Aufbauabschnitt etwas länger sein, sollte aber auch dort eine halbe Seite selten überschreiten.
Was die angemessene Länge letztlich bestimmt, ist nicht die Anzahl der Kapitel, sondern die Komplexität der argumentativen Verbindungen zwischen ihnen. Wenn die Kapitelverbindungen sich in einem Satz je Kapitel überzeugend beschreiben lassen, ist ein kürzerer Aufbauabschnitt besser als ein längerer. Wenn die Verbindungen komplexer sind und eine etwas ausführlichere Erläuterung verdienen, ist ein längerer Abschnitt gerechtfertigt.
Formulierungsmuster für den Aufbauabschnitt
Im deutschsprachigen wissenschaftlichen Schreiben hat sich eine Reihe von Formulierungsmustern für den Aufbauabschnitt etabliert. Diese Muster sind keine Schablonen, aber sie geben eine Orientierung für die sprachliche Gestaltung. Der häufigste Einstieg ist eine übergeordnete Strukturaussage: „Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut:“, „Der Gang der Untersuchung gliedert sich in sechs Abschnitte:“ oder „Die Arbeit ist in sechs Kapitel unterteilt, die im Folgenden kurz beschrieben werden.“
Nach dem Einstieg folgt die Kapitelsequenz, die mit Signalwörtern der zeitlichen und logischen Abfolge strukturiert wird: „Zunächst…, dann…, daran anschließend…, im vierten Kapitel…, bevor…, abschließend…“ Diese Signalwörter machen die argumentative Reihenfolge für den Lesenden sprachlich sichtbar und verhindern, dass der Aufbauabschnitt als bloße Auflistung wirkt.
Was bei der Formulierung der Kapitelsequenz zu beachten ist: Jede Kapitelnennung sollte einen aktiven Satz oder Halbsatz enthalten, der das Kapitel nicht nur benennt, sondern beschreibt, was es tut. „Im zweiten Kapitel wird der theoretische Rahmen entwickelt“ ist aktiv und beschreibend. „Das zweite Kapitel ist der theoretische Rahmen“ ist passiv und beschreibt nur, was das Kapitel ist, nicht was es leistet.
Die argumentative Formulierung: Was den Unterschied macht
Was einen starken von einem schwachen Aufbauabschnitt unterscheidet, ist die argumentative Formulierung der Kapitelverbindungen. Ein schwacher Aufbauabschnitt listet Kapitel auf. Ein starker Aufbauabschnitt erklärt, warum Kapitel B nach Kapitel A kommt und wie sie zusammenhängen. Diese argumentative Verbindung wird sprachlich durch kausale und konsekutive Konnektoren ausgedrückt: „auf dieser Grundlage“, „um auf dieser Basis“, „darauf aufbauend“, „nachdem X entwickelt wurde, wird Y untersucht“, „bevor Z argumentiert werden kann, ist X notwendig.“
Ein konkretes Beispiel für eine argumentative Formulierung: „Auf der Grundlage des in Kapitel zwei entwickelten Theorierahmens untersucht Kapitel drei das methodische Vorgehen, durch das die theoretischen Erwartungen empirisch überprüft werden.“ Dieser Satz nennt nicht nur zwei Kapitel, sondern zeigt, dass Kapitel drei methodisch umsetzt, was Kapitel zwei theoretisch begründet. Diese Verbindung macht das argumentative Gefüge der Arbeit sichtbar.
Was die argumentative Formulierung von einer bloß beschreibenden unterscheidet, ist der Bezug zur Forschungsfrage: Die besten Aufbauabschnitte machen erkennbar, wie jedes Kapitel zur Beantwortung der Forschungsfrage beiträgt, nicht nur was es inhaltlich behandelt. Dieser Bezug zur Forschungsfrage transformiert eine Strukturbeschreibung in eine argumentative Kurzdarstellung der wissenschaftlichen Logik der Arbeit.
Ein schwaches Beispiel und warum es schwach ist
Das folgende Beispiel ist ein typisch schwacher Aufbauabschnitt aus einer Bachelorarbeit: „Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel. Kapitel zwei beschäftigt sich mit dem theoretischen Hintergrund. Kapitel drei behandelt die Methodik. In Kapitel vier werden die Ergebnisse präsentiert. Kapitel fünf ist die Diskussion. In Kapitel sechs befindet sich das Fazit.“
Dieser Aufbauabschnitt ist aus mehreren Gründen schwach. Erstens wiederholt er im Wesentlichen das Inhaltsverzeichnis, ohne einen Mehrwert zu liefern: Wer das Inhaltsverzeichnis gelesen hat, weiß bereits, dass es einen Theorieteil, einen Methodikteil, Ergebnisse, Diskussion und Fazit gibt. Zweitens beschreibt er die Kapitel nicht: Was ist der „theoretische Hintergrund“ genau? Welche Theorien? Welchen Bezug zur Forschungsfrage? Drittens fehlen die argumentativen Verbindungen zwischen den Kapiteln vollständig: Warum kommt die Methodik nach dem Theorieteil? Warum die Diskussion nach den Ergebnissen? Diese Fragen sind für ein Fachpublikum selbstverständlich, aber ihre Beantwortung im Aufbauabschnitt zeigt Reflexivität.
Ein starkes Beispiel und warum es stark ist
Das folgende Beispiel ist ein starker Aufbauabschnitt, der denselben Inhalt wie das schwache Beispiel beschreibt, aber auf eine informativere und argumentativere Weise: „Die Arbeit ist in sechs Kapitel unterteilt. Kapitel zwei entwickelt den theoretischen Rahmen, indem es zunächst das Konstrukt der Arbeitszufriedenheit anhand der Zwei-Faktoren-Theorie und des Job-Characteristics-Modells konzeptualisiert und daraus die Forschungshypothesen ableitet. Kapitel drei beschreibt auf dieser Grundlage das quantitative Forschungsdesign der Studie, also die Online-Befragung, die Operationalisierung der Konstrukte und die statistische Auswertungsstrategie. In Kapitel vier werden die Ergebnisse der Hypothesenprüfung berichtet, gefolgt von Kapitel fünf, das die Befunde im Licht des Forschungsstands interpretiert, alternative Erklärungen diskutiert und die methodischen Grenzen der Studie reflektiert. Kapitel sechs beantwortet abschließend die Forschungsfrage, benennt den Beitrag der Studie und gibt einen Ausblick auf weiterführende Forschung.“
Dieser Aufbauabschnitt ist stark, weil er inhaltlich informativ ist (welche Theorien, welche Methode, welche Auswertungsstrategie), weil er die argumentativen Verbindungen zwischen den Kapiteln explizit macht (auf dieser Grundlage, gefolgt von) und weil er am Ende explizit zur Forschungsfrage zurückführt. Er gibt dem Lesenden eine vollständige mentale Karte der Arbeit in wenigen Sätzen.
Varianten des Aufbauabschnitts
Es gibt verschiedene Formulierungsvarianten für den Aufbauabschnitt, die alle legitim sind und sich durch Ton und Stil unterscheiden. Die häufigste Variante ist die sequenzielle Beschreibung: Die Kapitel werden in der Reihenfolge des Inhaltsverzeichnisses mit Signalwörtern der Abfolge beschrieben. Diese Variante ist klar, leicht zu lesen und für alle Arten von Arbeiten geeignet.
Eine zweite Variante ist die problematisierende Beschreibung: Der Aufbauabschnitt erklärt nicht nur, was die Kapitel enthalten, sondern warum die Arbeit so aufgebaut ist, also welche argumentative Logik die Kapitelreihenfolge bestimmt. Diese Variante ist anspruchsvoller zu formulieren, aber überzeugender, weil sie die Durchdachtheit der Struktur explizit macht.
Eine dritte Variante ist die zweiteilige Beschreibung: Zuerst wird der Gesamtcharakter der Arbeit in einem Satz beschrieben (empirisch-qualitative Studie mit leitfadengestützten Interviews), dann werden die Kapitel in Kurzform genannt. Diese Variante ist besonders dann sinnvoll, wenn der methodische Charakter der Arbeit für das Verständnis des Aufbaus wesentlich ist.
Wann man den Aufbauabschnitt schreibt
Den Aufbauabschnitt schreibt man am besten nach der Fertigstellung der anderen Kapitel, also als eines der letzten Elemente der Einleitung. Das mag kontraintuitiv erscheinen, weil der Aufbauabschnitt am Ende der Einleitung steht und die Einleitung am Anfang der Arbeit. Aber der Grund ist praktisch: Nur wenn die Kapitel geschrieben sind, weiß man, was sie tatsächlich leisten, wie sie inhaltlich abgegrenzt sind und wie sie argumentativ zusammenhängen.
Wer den Aufbauabschnitt zu Beginn schreibt, beschreibt nicht die tatsächliche Arbeit, sondern die geplante Arbeit. Was geplant war und was tatsächlich entstanden ist, weicht in der Praxis häufig ab: Ein Kapitel, das kurz geplant war, wird lang; ein anderes, das ausführlich geplant war, wird kürzer; und die argumentativen Verbindungen zwischen den Kapiteln entwickeln sich durch das Schreiben, nicht durch die Planung. Ein Aufbauabschnitt, der vor dem Schreiben der Kapitel verfasst wird, muss deshalb am Ende fast vollständig überarbeitet werden.
Was man stattdessen zu Beginn der Schreibphase schreiben kann, ist eine Arbeitsaufbaubeschreibung: einen informellen Text für den eigenen Gebrauch, der die geplante Kapitelstruktur beschreibt. Diese Arbeitsaufbaubeschreibung ist kein formaler Teil der Einleitung, sondern ein Planungsdokument, das man während des Schreibens als Orientierung nutzt und am Ende des Schreibprozesses in den formalen Aufbauabschnitt überführt.
Aufbauabschnitt in Masterarbeiten und Dissertationen
In Masterarbeiten und Dissertationen ist der Aufbauabschnitt in der Regel elaborierter als in Bachelorarbeiten, weil die Struktur der Arbeit komplexer ist und die argumentativen Verbindungen zwischen den Kapiteln mehr Erläuterung verdienen. Was sich formal ändert, ist nicht die Funktion, sondern die Länge und die Detailtiefe.
In einer Masterarbeit mit sieben bis zehn Hauptkapiteln und einer komplexen theoretisch-empirischen Struktur kann der Aufbauabschnitt auf eine halbe Seite anwachsen, ohne als übermäßig zu wirken. In einer Dissertation, die möglicherweise mehrere Studien enthält oder eine kumulative Struktur hat, kann der Aufbauabschnitt noch länger sein, weil die Darstellung des Gesamtaufbaus komplexer ist und dem Lesenden mehr Orientierung braucht.
Was in Masterarbeiten und Dissertationen im Aufbauabschnitt zusätzlich erscheinen kann, ist eine explizite Verortung der eigenen Forschung im wissenschaftlichen Forschungsfeld: Welche Kapitel leisten den theoretischen Beitrag? Welche den empirischen? Und wie hängen beide zusammen? Diese übergeordnete Perspektive auf den wissenschaftlichen Beitrag der Arbeit ist in Bachelorarbeiten selten, in Masterarbeiten und Dissertationen aber ein Qualitätsmerkmal.
Der Aufbauabschnitt in englischsprachigen Theses
In englischsprachigen Theses, also in Bachelor Theses oder Master Theses, die auf Englisch verfasst sind, heißt der Aufbauabschnitt häufig „Thesis Structure“, „Organization of the Thesis“, „Chapter Overview“ oder „Overview of the Study“. Er steht ebenfalls am Ende der Introduction, häufig nach dem Thesis Statement.
Was in englischsprachigen Theses im Aufbauabschnitt sprachlich anders ist, ist der direkte Stil: Aktive Konstruktionen sind bevorzugt, und die Verbindungen zwischen Kapiteln werden häufig expliziter beschrieben als im Deutschen. „Chapter Two reviews the theoretical framework underlying this study, examining social identity theory and its applications to intergroup behavior. Building on this framework, Chapter Three presents the methodology…“ ist eine typisch englischsprachige Formulierung des Aufbauabschnitts, die sowohl aktiv als auch argumentativ verbunden ist.
Was in englischsprachigen Theses außerdem häufig erscheint, ist ein expliziter Verweis auf das Thesis Statement am Anfang des Aufbauabschnitts: „In pursuit of this thesis, the study is structured as follows…“ oder „To address the research question outlined above, the thesis is organized in six chapters.“ Diese Rückkopplung zum Thesis Statement macht die argumentative Funktion der Kapitelstruktur sofort erkennbar.
Häufige Fehler im Aufbauabschnitt
Der häufigste Fehler ist die reine Inhaltsverzeichnis-Paraphrase: Der Aufbauabschnitt listet die Kapitel auf, ohne zu erklären, was sie leisten oder wie sie zusammenhängen. Dieser Fehler entsteht, wenn man den Aufbauabschnitt als formale Pflicht behandelt statt als argumentatives Kommunikationsmittel.
Der zweite häufige Fehler ist die Diskrepanz zwischen Aufbauabschnitt und tatsächlicher Arbeit: Der Aufbauabschnitt beschreibt eine Kapitelstruktur, die in der tatsächlichen Arbeit nicht exakt so vorhanden ist, weil er früh geschrieben wurde und sich die Struktur beim Schreiben verändert hat. Dieser Fehler ist leicht zu vermeiden, indem man den Aufbauabschnitt nach der Fertigstellung der Kapitel schreibt oder am Ende überprüft.
Der dritte häufige Fehler ist die übermäßige Länge: Ein Aufbauabschnitt, der eine Seite oder länger ist und jedes Unterkapitel detailliert beschreibt, überlädt die Einleitung. Die Einleitung soll orientieren, nicht erschöpfend beschreiben; die Details kommen in den Kapiteln selbst.
Der vierte häufige Fehler ist die vage Sprache ohne argumentativen Inhalt: Formulierungen wie „Im zweiten Kapitel werden relevante Aspekte des Themas behandelt“ oder „Kapitel drei beschäftigt sich mit methodischen Fragen“ sagen nichts Spezifisches. Was sind die relevanten Aspekte? Welche methodischen Fragen? Die Spezifizität des Aufbauabschnitts ist ein direktes Signal für die inhaltliche Durchdachtheit der Arbeit.
Wie man den Aufbauabschnitt überprüft
Die Qualitätsprüfung des Aufbauabschnitts ist einfach: Man liest den Abschnitt und stellt sich vor, man habe die Forschungsfrage gelesen, aber noch keine der Kapitel. Versteht man nach dem Lesen des Aufbauabschnitts, welche Kapitel die Arbeit enthält, was jedes Kapitel leistet und wie die Kapitel aufeinander aufbauen? Wenn ja, ist der Abschnitt gut. Wenn nicht, fehlt Information.
Dann prüft man, ob der Aufbauabschnitt mit der tatsächlichen Arbeit übereinstimmt: Stimmen die beschriebenen Kapitelinhalte mit dem überein, was tatsächlich in den Kapiteln steht? Stimmen die beschriebenen argumentativen Verbindungen mit den tatsächlichen Übergängen überein? Diese Prüfung sollte kurz vor der Abgabe als eigenständiger Schritt stattfinden, weil der Aufbauabschnitt leicht vergessen wird, wenn man sich auf die inhaltliche Überarbeitung der Kapitel konzentriert.
Der Aufbauabschnitt im Kontext der gesamten Einleitung
Der Aufbauabschnitt ist das letzte Element der Einleitung und schließt sie ab. Er steht nach der Problemstellung, der Forschungsfrage und dem methodischen Überblick. Was er im Kontext der gesamten Einleitung leistet, ist die Bewegung von der inhaltlichen Frage zur strukturellen Antwort: „Das ist die Frage, und das ist, wie die Arbeit vorgeht, um sie zu beantworten.“
Was eine starke Einleitung auszeichnet, ist ein enger Zusammenhang zwischen allen ihren Elementen: Die Problemstellung begründet die Relevanz der Forschungsfrage. Die Forschungsfrage bestimmt den methodischen Ansatz. Der methodische Ansatz bestimmt die Kapitelstruktur. Und der Aufbauabschnitt macht diese Kapitelstruktur explizit. Wer alle vier Elemente aufeinander abgestimmt formuliert, hat eine Einleitung, die als kohärente argumentative Einführung wirkt, nicht als Ansammlung formaler Bestandteile.
Unterstützung für die Einleitung
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Häufig gestellte Fragen
Was gehört in den Abschnitt ‚Aufbau der Arbeit‘?
Alle Hauptkapitel der Arbeit mit einer kurzen Beschreibung, was jedes leistet, und den argumentativen Verbindungen zwischen ihnen. Kein zweites Inhaltsverzeichnis, keine Unterkapiteldetails, keine Zusammenfassung der Ergebnisse.
Wie lang ist der Abschnitt ‚Aufbau der Arbeit‘?
In einer Bachelorarbeit typischerweise vier bis acht Sätze, also ein Absatz. In Masterarbeiten etwas länger. Selten mehr als eine halbe Seite.
Wann schreibt man den Abschnitt ‚Aufbau der Arbeit‘?
Nach der Fertigstellung der anderen Kapitel. Nur dann kann man präzise beschreiben, was die Arbeit tatsächlich enthält. Wer ihn früh schreibt, muss ihn am Ende fast vollständig überarbeiten.
Ist der Abschnitt ‚Aufbau der Arbeit‘ obligatorisch?
In deutschen Hochschulen erwartet, aber nicht überall formal vorgeschrieben. Er ist ein Konventionsbestandteil, der dem Lesenden Orientierung gibt und dem Gutachter zeigt, dass man die Struktur der eigenen Arbeit durchdacht hat.