Das Lektorieren der eigenen Masterarbeit ist eine Fähigkeit, die man erlernen kann, und eine Aufgabe, die man methodisch angehen muss. Was professionelle Lektoren tun, wenn sie eine Masterarbeit bearbeiten, lässt sich zu einem erheblichen Teil als Methode beschreiben: mehrere spezialisierte Durchgänge, jeder auf einen anderen Aspekt des Texts fokussiert, mit konkreten Prüfkriterien für jeden Durchgang. Diese Methode lässt sich in modifizierter Form auch auf das Eigenlektorat anwenden.
Dieser Ratgeber beschreibt, wie man die eigene Masterarbeit nach professionellen Lektoratsprinzipien selbst überarbeitet: Welche Lektoratsdurchgänge sind notwendig? Was prüft man in jedem Durchgang? Welche konkreten Prüfkriterien helfen bei der Selbstüberarbeitung? Und wo liegen die Grenzen des Eigenlektorats, die professionelle Unterstützung erfordern?
Lektorieren als Methode
Was Lektorieren von bloßem Lesen unterscheidet, ist die Haltung gegenüber dem Text: Ein Lektor liest nicht, um zu verstehen, sondern um zu verbessern. Er liest mit einem analytischen Blick, der aktiv nach Schwachstellen sucht, nicht passiv Inhalte verarbeitet. Was diese lektorielle Haltung für das Eigenlektorat bedeutet: Man muss lernen, den eigenen Text mit denselben kritischen Augen zu lesen, mit denen man einen fremden Text lesen würde. Das ist schwieriger als das Lektorieren fremder Texte, weil man das eigene Argument kennt und deshalb dazu neigt, es auch dann als kohärent wahrzunehmen, wenn es im Text nicht vollständig ausgedrückt ist.
Was dabei hilft, die lektorielle Haltung gegenüber dem eigenen Text einzunehmen: die Spezialisierung der Aufmerksamkeit. Wer in einem Lektoratsdurchgang nur nach einer bestimmten Art von Schwachstelle sucht, zum Beispiel nur nach Übergängen zwischen Kapiteln, kann diese Aufgabe mit dem fokussierten kritischen Blick angehen, der für das Lektorieren notwendig ist. Wer dagegen versucht, alles gleichzeitig zu lektorieren, verteilt die Aufmerksamkeit zu breit und verliert dabei die Schärfe, die das Lektorieren wirksam macht.
Die vier Lektoratsdurchgänge
Das Eigenlektorat einer Masterarbeit gliedert sich in vier spezialisierte Durchgänge, die in einer festgelegten Reihenfolge stattfinden. Der erste Durchgang ist der strukturelle Lektoratsdurchgang: Er prüft die Kapitelabfolge, die Übergänge, die Verhältnismäßigkeit und die argumentative Logik der Gesamtarbeit. Der zweite Durchgang ist der inhaltliche Lektoratsdurchgang: Er prüft die Vollständigkeit, die Quellenarbeit und die Plausibilität der Argumentation. Der dritte Durchgang ist der stilistische Lektoratsdurchgang: Er prüft Satzkonstruktion, Ausdruck, Terminologie und wissenschaftlichen Stil. Der vierte Durchgang ist der formale Lektoratsdurchgang: Er prüft Formatierung, Verzeichnisse, Quellennachweise und alle formalen Pflichtbestandteile.
Was die Reihenfolge dieser vier Durchgänge begründet: Die Reihenfolge geht von der Makroebene zur Mikroebene, also von der Gesamtstruktur zur Einzelformulierung. Was dabei verhindert wird: sprachliche Überarbeitungen in Abschnitten, die danach strukturell oder inhaltlich noch verändert werden müssen. Wer stilistische Verbesserungen vornimmt, bevor die strukturellen Probleme gelöst sind, riskiert, Arbeit zu leisten, die bei der strukturellen Überarbeitung wieder verloren geht.
Durchgang 1: Der strukturelle Lektoratsdurchgang
Der strukturelle Lektoratsdurchgang ist der erste und wichtigste Lektoratsdurchgang, weil strukturelle Probleme alle anderen Qualitätsdimensionen beeinflussen. Was man in diesem Durchgang liest: nicht den vollständigen Text, sondern nur das Inhaltsverzeichnis, die Einleitungsabsätze jedes Kapitels, die Abschlussabsätze jedes Kapitels und die Übergangssätze zwischen den Kapiteln. Diese selektive Lektüre gibt einen schnellen Überblick über die strukturelle Qualität der Arbeit, ohne den gesamten Text erneut lesen zu müssen.
Was man beim strukturellen Lektoratsdurchgang konkret prüft: Erstens, ob die Kapitelabfolge einer logischen argumentativen Linie folgt. Zweitens, ob jedes Kapitel eine klar erkennbare Funktion für die Beantwortung der Forschungsfrage hat. Drittens, ob Übergänge zwischen Kapiteln vorhanden und kohärent sind. Viertens, ob die Kapitel proportional zu ihrer inhaltlichen Bedeutung sind. Und fünftens, ob das Inhaltsverzeichnis die Kapitelüberschriften korrekt und vollständig widerspiegelt.
Der Kapitel-Funktions-Test
Was der effektivste Test für die strukturelle Qualität jedes Kapitels ist: der Kapitel-Funktions-Test. Man formuliert für jedes Hauptkapitel in einem Satz, was dieses Kapitel für die Beantwortung der Forschungsfrage leistet. Wenn dieser Satz leicht und überzeugend formuliert werden kann, erfüllt das Kapitel seine Funktion. Wenn man beim Formulieren des Satzes ins Stocken gerät, weil die Funktion des Kapitels unklar ist, hat das Kapitel ein strukturelles Problem.
Was der Kapitel-Funktions-Test außerdem zeigt: Er macht sichtbar, ob Kapitel redundant sind oder ob wichtige Schritte fehlen. Wenn zwei Kapitel denselben Funktionssatz bekommen, überschneiden sie sich inhaltlich und müssen entweder zusammengeführt oder schärfer voneinander abgegrenzt werden. Wenn für einen notwendigen Schritt in der Argumentation kein Kapitel existiert, zeigt der Test eine Lücke, die durch ein zusätzliches Kapitel oder Unterkapitel geschlossen werden muss.
Übergänge zwischen Kapiteln prüfen
Was man beim Lektorieren der Übergänge zwischen Kapiteln konkret prüft: Endet jedes Hauptkapitel mit einem Abschlussabsatz, der die wichtigsten Erkenntnisse des Kapitels zusammenfasst und einen Ausblick auf das folgende Kapitel gibt? Beginnt jedes Hauptkapitel mit einem Einleitungsabsatz, der erklärt, was das Kapitel leisten wird, und eine Verbindung zum vorherigen herstellt? Und macht der Übergang explizit, warum das folgende Kapitel nach dem vorherigen an der Reihe ist?
Was man tut, wenn man beim Lektorieren einen fehlenden oder schwachen Übergang entdeckt: Man schreibt einen Übergangssatz oder einen kurzen Übergangsabsatz, der die Verbindung zwischen dem Ende des vorherigen Kapitels und dem Anfang des nächsten herstellt. Was dabei hilft: die Funktion des vorherigen Kapitels und die Funktion des nächsten Kapitels zu benennen und dann zu formulieren, warum das nächste auf das vorherige folgt. Dieser Formulierungsakt ist gleichzeitig ein Verständnisakt, weil er die argumentative Logik der Kapitelabfolge explizit macht.
Proportionen lektorieren
Was beim Lektorieren der Proportionen geprüft wird: Nehmen die Kapitel einen Raum ein, der ihrer inhaltlichen Bedeutung für die Forschungsfrage entspricht? Ein Theorieteil, der fünfzig Prozent der Gesamtarbeit einnimmt, während der Ergebnisteil nur zehn Prozent umfasst, ist möglicherweise disproportional. Was bei auffälligen Disproportionen zu tun ist: prüfen, ob die Disproportionalität inhaltlich begründet ist oder auf eine Gewichtungsverschiebung hinweist, die korrigiert werden sollte.
Was das Lektorieren der Proportionen konkret bedeutet: Man schaut auf die Seitenzahlen der Kapitel und fragt, ob die Verteilung der Seiten die inhaltliche Bedeutung der Kapitel widerspiegelt. Was dabei häufig entdeckt wird: Kapitel, die beim Schreiben unbeabsichtigt zu lang oder zu kurz geworden sind, weil die Schreibenergie nicht gleichmäßig auf alle Kapitel verteilt war. Das Lektorieren der Proportionen identifiziert diese Ungleichgewichte und ermöglicht gezielte Korrekturen.
Durchgang 2: Der inhaltliche Lektoratsdurchgang
Der inhaltliche Lektoratsdurchgang prüft die inhaltliche Vollständigkeit und Korrektheit der Masterarbeit. Was dieser Durchgang konkret prüft: Sind alle für die Forschungsfrage relevanten theoretischen Konzepte behandelt? Sind alle methodischen Entscheidungen ausreichend begründet? Sind alle zentralen Behauptungen mit Quellen belegt? Und sind die Schlussfolgerungen plausibel aus den Befunden ableitbar?
Was beim inhaltlichen Lektoratsdurchgang besonders sorgfältig geprüft wird: die Verbindung zwischen den verschiedenen Teilen der Arbeit. Werden die im Theorieteil eingeführten Konzepte tatsächlich im Ergebnisteil und in der Diskussion angewendet? Werden die im Methodikteil beschriebenen Verfahren konsistent im Ergebnisteil berichtet? Und werden die Forschungshypothesen, die im Theorieteil abgeleitet wurden, im Fazit explizit beantwortet? Diese Verbindungen zwischen Teilen der Arbeit sind häufig die inhaltlichen Schwachstellen, die beim Lektorieren entdeckt werden.
Quellenarbeit im Lektoratsdurchgang prüfen
Was beim inhaltlichen Lektorieren die Quellenarbeit betrifft: Man prüft, ob alle zentralen theoretischen Aussagen mit wissenschaftlichen Quellen belegt sind. Was dabei konkret als Lektorierungsmaßnahme vorgenommen wird: Man markiert beim Lesen alle Behauptungen, die wissenschaftlich belegbar sind und deren Quelle man prüfen möchte. Dann prüft man für jede Markierung, ob tatsächlich eine Quelle vorhanden ist und ob die Quelle die Aussage tatsächlich stützt.
Was beim Lektorieren der Quellenarbeit häufig entdeckt wird: Behauptungen ohne Quellenangabe, die eigentlich belegt werden müssten. Dabei unterscheidet man zwischen Behauptungen, die keine Quelle brauchen, weil sie allgemein bekannte Fakten sind, und Behauptungen, die wissenschaftlich strittig sind oder auf empirischer Forschung basieren und deshalb unbedingt belegt werden müssen. Das Lektorieren dieser Unterscheidung ist eine inhaltliche Aufgabe, die Fachkenntnis erfordert.
Argumentation im Lektoratsdurchgang prüfen
Was beim inhaltlichen Lektorieren die Argumentation betrifft: Man prüft für jeden argumentativen Schritt, ob er vollständig ist, also ob die Behauptung, die Begründung und der Beleg vorhanden sind. Was dabei als Lektorierungsmaßnahme vorgenommen wird: Man liest jeden Absatz und fragt, was der Absatz behauptet, womit er die Behauptung begründet und womit er sie belegt. Wenn einer dieser drei Teile fehlt, ist der argumentative Schritt unvollständig und muss ergänzt werden.
Was außerdem beim Lektorieren der Argumentation geprüft wird: ob die Schlussfolgerungen des Diskussions- und Fazitteils tatsächlich aus den Befunden ableitbar sind. Was dabei häufig entdeckt wird: Schlussfolgerungen, die weiter gehen als die Befunde erlauben, also Aussagen, die die empirische Evidenz überinterpretieren. Das Lektorieren dieser epistemischen Angemessenheit ist eine inhaltliche Aufgabe, die wissenschaftliche Urteilsfähigkeit erfordert.
Durchgang 3: Der stilistische Lektoratsdurchgang
Der stilistische Lektoratsdurchgang ist der zeitaufwendigste der vier Durchgänge, weil er den gesamten Text auf Satz- und Absatzebene prüft. Was dieser Durchgang konkret prüft: Sind Sätze klar und lesbar konstruiert? Sind Absätze inhaltlich kohärent und haben sie erkennbare Themensätze? Ist die Terminologie konsistent? Und ist der wissenschaftliche Stil angemessen, also weder zu umgangssprachlich noch künstlich schwerfällig?
Was beim stilistischen Lektoratsdurchgang als Prüfhaltung hilfreich ist: Man liest den Text mit der Frage, ob ein informierter externer Lesender jeden Satz und jeden Absatz klar versteht. Was dabei häufig entdeckt wird: Formulierungen, die für den Autor selbstverständlich sind, aber für einen externen Lesenden mehrdeutig oder unklar sind. Das Identifizieren solcher Stellen erfordert die Fähigkeit zur Perspektivübernahme, also die Fähigkeit, den eigenen Text mit den Augen eines Außenstehenden zu lesen.
Sätze lektorieren
Was beim Lektorieren einzelner Sätze geprüft wird: Ist der Satz so lang, dass er schwer lesbar ist? Enthält er so viele Einschübe, dass die Hauptaussage verloren geht? Ist die Satzstruktur klar, also ist erkennbar, was das Subjekt, das Prädikat und das Objekt sind? Und trägt der Satz zur Argumentation des Absatzes bei, oder ist er redundant?
Was das Lektorieren langer Sätze konkret bedeutet: Man liest den Satz laut und prüft, ob man ihn in einem Atemzug lesen kann. Wenn nicht, ist er möglicherweise zu lang. Was man dann tut: den Satz in zwei oder drei kürzere Sätze aufteilen, die jeweils eine vollständige Aussage enthalten. Was dabei zu beachten ist: Das Aufteilen eines langen Satzes darf keine Information verlieren, sondern muss die Inhalte des langen Satzes vollständig in den kürzeren Sätzen abbilden.
Was beim Lektorieren von Sätzen mit vielen Einschüben zu tun ist: Man identifiziert den Hauptsatz und die Einschübe und prüft, ob die Einschübe notwendig sind oder in einem eigenen Satz oder Absatz besser aufgehoben wären. Einschübe, die nicht notwendig für das Verständnis des Hauptsatzes sind, werden in eigene Sätze ausgelagert oder gestrichen.
Absätze lektorieren
Was beim Lektorieren einzelner Absätze geprüft wird: Hat der Absatz einen erkennbaren Themensatz, der die zentrale Aussage des Absatzes am Anfang formuliert? Entwickeln die folgenden Sätze diese zentrale Aussage durch Belege, Beispiele oder Erklärungen weiter? Endet der Absatz mit einem Satz, der die Aussage abschließt oder zur nächsten überleitet? Und behandelt der Absatz tatsächlich nur eine einzige zentrale Aussage, oder werden mehrere verschiedene Aussagen vermischt?
Was beim Lektorieren von Absätzen ohne erkennbaren Themensatz zu tun ist: Man liest den Absatz vollständig und formuliert dann in einem Satz, was die zentrale Aussage des Absatzes ist. Dieser Satz wird an den Anfang des Absatzes gesetzt oder ersetzt den ersten Satz des Absatzes, wenn dieser keine zentrale Aussage enthält. Was dabei häufig passiert: Man stellt fest, dass man die zentrale Aussage des Absatzes nicht klar formulieren kann, weil der Absatz keine klare Aussage hat. In diesem Fall muss der Absatz inhaltlich überarbeitet werden, bevor ein Themensatz formuliert werden kann.
Terminologie lektorieren
Was beim Lektorieren der Terminologie konkret getan wird: Man erstellt eine Liste der zentralen Fachbegriffe der Masterarbeit und prüft dann mithilfe der Suchfunktion des Textverarbeitungsprogramms, ob jeder Begriff konsistent verwendet wird. Was dabei häufig entdeckt wird: derselbe Begriff wird an verschiedenen Stellen der Arbeit mit leicht verschiedenen Formulierungen bezeichnet, zum Beispiel „Arbeitsmotivation“, „berufliche Motivation“ und „Mitarbeitermotivation“, obwohl dasselbe gemeint ist.
Was das Lektorieren der Terminologie außerdem umfasst: die Prüfung, ob Fachbegriffe bei ihrer ersten Verwendung eingeführt und definiert werden. Was häufig beim Lektorieren entdeckt wird: Fachbegriffe, die in einem Kapitel eingeführt und definiert werden, werden in einem anderen Kapitel ohne Einführung verwendet, was für einen Lesenden, der das definierende Kapitel nicht im Gedächtnis hat, unklar ist.
Durchgang 4: Der formale Lektoratsdurchgang
Der formale Lektoratsdurchgang ist der letzte und methodisch einfachste, weil er klare, prüfbare Kriterien hat. Was dieser Durchgang prüft: Sind Deckblatt und alle Pflichtangaben vorhanden und korrekt? Stimmt das Inhaltsverzeichnis mit allen Kapitel- und Unterkapitelüberschriften im Text überein, inklusive der Seitenzahlen? Sind alle Abbildungen und Tabellen in den entsprechenden Verzeichnissen aufgeführt? Ist das Literaturverzeichnis vollständig und konsistent formatiert? Und ist die Eigenständigkeitserklärung vorhanden, korrekt datiert und handschriftlich unterschrieben?
Was beim formalen Lektoratsdurchgang besonders wichtig ist: Er findet als letzter statt, also nach allen anderen Lektoratsdurchgängen. Das ist notwendig, weil frühere Lektoratsdurchgänge möglicherweise Textveränderungen produziert haben, die formale Konsequenzen haben: Kapitel wurden umbenannt, Seiten haben sich verschoben, Abbildungen wurden hinzugefügt oder entfernt. Der formale Lektoratsdurchgang am Ende stellt sicher, dass alle formalen Elemente den finalen Textzustand widerspiegeln.
Verzeichnisse lektorieren
Was beim Lektorieren der Verzeichnisse konkret geprüft wird: Erstens das Inhaltsverzeichnis. Man prüft Wort für Wort, ob jede Kapitelüberschrift im Inhaltsverzeichnis mit der entsprechenden Überschrift im Text exakt übereinstimmt. Was dabei als einfache Technik hilft: das Inhaltsverzeichnis und das entsprechende Kapitel nebeneinanderzustellen, also in zwei Fenstern gleichzeitig zu öffnen, und die Überschriften direkt zu vergleichen.
Zweitens das Abbildungsverzeichnis, wenn vorhanden. Man prüft, ob jede nummerierte Abbildung im Text im Abbildungsverzeichnis aufgeführt ist und ob die Beschriftungen übereinstimmen. Was dabei häufig entdeckt wird: Abbildungen, die im Verlauf des Schreibprozesses hinzugefügt wurden, ohne das Abbildungsverzeichnis zu aktualisieren. Drittens das Literaturverzeichnis. Man prüft die Konsistenz der Formatierung über alle Einträge und kontrolliert stichprobenartig, ob wichtige Einträge vollständig sind.
Quellennachweise lektorieren
Was beim Lektorieren der Quellennachweise konkret getan wird: Man prüft für eine repräsentative Stichprobe von In-Text-Zitierungen, ob die entsprechenden Einträge im Literaturverzeichnis vorhanden sind. Was dabei als Technik hilft: Man wählt fünf bis zehn In-Text-Zitierungen aus verschiedenen Teilen der Arbeit und sucht die entsprechenden Einträge im Literaturverzeichnis. Wenn alle gefunden werden, ist das Literaturverzeichnis wahrscheinlich vollständig. Wenn Einträge fehlen, muss das vollständige Literaturverzeichnis systematisch geprüft werden.
Was außerdem beim Lektorieren der Quellennachweise geprüft wird: die Konsistenz des verwendeten Zitierstils. Wer APA verwendet, prüft, ob alle In-Text-Zitierungen und alle Literaturverzeichniseinträge konsistent dem APA-Standard entsprechen. Was dabei häufig entdeckt wird: Einträge aus verschiedenen Quelltypen (Bücher, Artikel, Websites) haben verschiedene Formatierungen, die zwar fachspezifisch korrekt sind, aber inkonsistent mit dem verwendeten Zitierstil.
Die Grenzen des Eigenlektorats
Was man durch Eigenlektorat, egal wie methodisch und wie sorgfältig, nicht vollständig lektorieren kann: die stilistischen Muster, die dem eigenen Schreibstil inhärent sind. Wer konstant dazu neigt, zu lange Sätze zu schreiben, wird beim Eigenlektorat einige, aber nicht alle dieser Sätze kürzen, weil die Neigung zum langen Satz auch beim Lesen aktiv ist. Wer konstant dazu neigt, bestimmte Füllwörter zu verwenden, wird diese häufiger überlesen als ein externer Lektor, der das Muster von außen erkennt.
Was außerdem nicht vollständig durch Eigenlektorat lektoriert werden kann: die Frage, ob ein bestimmter Abschnitt für einen externen Lesenden verständlich ist. Der Autor kann nicht vollständig außerhalb seines eigenen Wissens treten, um zu beurteilen, was ein informierter Außenstehender versteht und was nicht. Für diese Frage ist die externe Perspektive eines Lektors notwendig, die das Eigenlektorat nicht ersetzen kann.
Zeitplan für das Eigenlektorat
Was ein realistischer Zeitplan für das vollständige Eigenlektorat einer Masterarbeit mit achtzig bis hundert Seiten enthält: Für jeden der vier Lektoratsdurchgänge sollte man eineinhalb bis zwei Tage einplanen, wenn man täglich drei bis vier Stunden lektoriert. Das ergibt sechs bis acht Tage für das gesamte Eigenlektorat. Was dabei zu beachten ist: Man lektoriert nicht effektiv, wenn man mehr als vier Stunden am Stück liest und überarbeitet. Die Qualität der Aufmerksamkeit nimmt nach mehreren Stunden erheblich ab, was die Fehlerdetektionsrate senkt.
Was außerdem in den Zeitplan eingeht: Pausen zwischen den Lektoratsdurchgängen. Wer nach dem strukturellen Lektoratsdurchgang einen Tag Pause macht, bevor er den inhaltlichen Lektoratsdurchgang beginnt, kehrt mit einem frischeren Blick zu dem Text zurück, was die Qualität des nächsten Durchgangs verbessert. Diese Pausen sind keine verschwendete Zeit, sondern ein Teil der Methode.
Digitale Hilfsmittel beim Lektorieren
Was digitale Hilfsmittel beim Eigenlektorat leisten können: Die Suchfunktion des Textverarbeitungsprogramms hilft beim Terminologielektorat, weil man damit alle Verwendungen eines bestimmten Begriffs auf einen Blick finden kann. Die Kommentarfunktion hilft dabei, Probleme beim Lesen zu markieren, ohne den Text sofort zu verändern, sodass man alle Probleme gesammelt am Ende des Durchgangs bearbeiten kann. Und die Text-zu-Sprache-Funktion ermöglicht das Vorlesen des eigenen Texts, was besonders beim stilistischen Lektoratsdurchgang wertvolle Erkenntnisse über Satzlänge und Lesbarkeit gibt.
Was digitale Hilfsmittel nicht leisten können: die analytische Beurteilung der Argumentationsqualität, das Erkennen von Kommunikationslücken aus externer Perspektive und das Beurteilen der wissenschaftlichen Angemessenheit von Formulierungen. Diese Aufgaben verbleiben beim Menschen, beim Autor selbst oder bei einem professionellen Lektor.
Professionelle Unterstützung beim Lektorieren
Wer das Eigenlektorat durchgeführt hat und danach professionelle Unterstützung sucht, um die verbleibenden Grenzen des Eigenlektorats zu überwinden, findet bei efactory1.de professionelles Lektorat durch fachkundige Lektoren. Das professionelle Lektorat ergänzt das Eigenlektorat dort, wo die externe Perspektive notwendig ist: stilistische Muster, die dem Autor nicht auffallen, Kommunikationslücken, die nur von außen erkannt werden, und die Gesamtbeurteilung der wissenschaftlichen Ausdrucksqualität.
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Häufig gestellte Fragen
Kann man die eigene Masterarbeit selbst lektorieren?
Teilweise. Strukturelle, inhaltliche und formale Aspekte lassen sich gut selbst lektorieren. Stilistische Muster und die Frage der Verständlichkeit aus externer Perspektive erfordern eine externe Sicht, die Eigenlektorat nicht leisten kann.
Wie geht man beim Selbstlektorat methodisch vor?
In vier spezialisierten Durchgängen: struktureller Durchgang (Kapitelabfolge, Übergänge), inhaltlicher Durchgang (Vollständigkeit, Quellenarbeit), stilistischer Durchgang (Sätze, Absätze, Terminologie) und formaler Durchgang (Verzeichnisse, Quellennachweise). In dieser Reihenfolge, von der Makro- zur Mikroebene.
Wie erkennt man beim Lektorieren eine schwache Stelle?
Strukturell: Man kann nicht klar formulieren, was ein Kapitel für die Forschungsfrage leistet. Inhaltlich: Eine Behauptung fehlt die Quelle. Stilistisch: Man stolpert beim Lesen. Formal: Inhaltsverzeichnis und Text stimmen nicht überein.
Wie lange braucht man für das Eigenlektorat?
Für achtzig bis hundert Seiten mit vier Lektoratsdurchgängen realistisch sechs bis acht Tage bei drei bis vier Stunden täglich. Das Eigenlektorat sollte mindestens zwei Wochen vor der Abgabe abgeschlossen sein.